FC Ingolstadt – RB Leipzig (10.12.2016)

14.Spieltag

Ergebnis: 1:0

Zuschauer: 15.200, Gäste: ca. 1.600

 

Bereits in unserer Aufstiegssaison vor 2 Jahren hatten wir das „Vergnügen“, uns mit dem Kunstprodukt aus Leipzig zu messen. Damals konnte man beide Spiele für sich entscheiden, ehe man die Liga überraschend verlassen durfte. Es war jedoch nur eine Frage der, Zeit bis RB nachziehen würde: Ein Jahr später zeigten die immensen Geldeinsätze schließlich Wirkung und man betrat das fußballerische Oberhaus Deutschlands.

Schon bei unserem letzten Aufeinandertreffen versuchten wir deutlich zu machen, warum man unseren Fußballclub noch lange nicht dem RasenBallsport-Konstrukt gleichsetzten kann. Regionale Verbundenheit des Hauptsponsors und dessen finanzielle Unterstützung, die einen Bruchteil des aus Österreich fließenden Geldes beträgt, sind dabei keineswegs die einzigen Argumente. Ein ausführlicherer Text dazu ist am Ende des Berichts verlinkt.

Anlässlich dieses Spiels entschieden wir uns dazu, einen weiteren Aspekt dieser Thematik in den Mittelpunkt zu stellen und zwar die Mitbestimmung im Verein sowie die Durchsetzung der 50+1-Regel, was in Leipzig bekanntlich doch etwas lockerer gesehen wird. Entsprechend konzerntreu äußerte sich einer der Leipziger Vorsänger vor wenigen Monaten in einem Zeitungsinterview auf die Frage, was er von der Vereinsstruktur mit gerade einmal 17 stimmberechtigten Mitgliedern halte: „Ganz ehrlich: Selbst wenn man mir die Möglichkeit böte, Vereinsmitglied zu werden, würde ich es nicht machen wollen. Ich habe überhaupt keine Ahnung von diesem Geschäft. Dann maße ich mir auch nicht an, darüber mitbestimmen zu wollen. Das traue ich mir gar nicht zu. Ich finde es gut so, wie es ist, und ich kenne auch keinen aktiven Fan von uns, der unbedingt stimmberechtigtes Mitglied werden will“ (Zeit Online 2016, S.2).

Aus unserer Sicht stellt die aktive Teilhabe am Verein jedoch eine grundlegende Voraussetzung einer Fanszene dar. Zugegebenermaßen ist die Fußballabteilung auch in Ingolstadt in eine GmbH ausgegliedert, allerdings besitzt der Verein mit 80,6% weiterhin die klare Anteilsmehrheit. Hier mussten einige große Traditionsvereine in den letzten Jahren schon härtere Schläge hinnehmen, wie beispielweise in Hamburg oder Hannover geschehen. Des Weiteren wurde in der Mitgliederversammlung des Vereins am 3. November 2015 eine Satzungsänderung verabschiedet, die für den Verkauf weiterer Anteile des Vereins an der FC Ingolstadt 04 Fußball GmbH eine Zweidrittelmehrheit der Mitgliederversammlung voraussetzt. In der diesjährigen MV stand diese Änderung aufgrund eines Formfehlers nochmals zur Abstimmung, wurde jedoch abermals mit großer Mehrheit bestätigt.

Am Spieltag selbst informierten wir durch einen Informationsstand interessierte Schanzer über dieses Thema und boten die Möglichkeit zur Anmeldung beim Verein, was von einigen auch direkt angenommen wurde. Im Stadion verdeutlichten wir unsere Stellung zur Diskussion um 50+1 durch ein entsprechendes Banner, welches die komplette 1.Halbzeit über unseren Zaun zierte. Dazu kamen weitere Spruchbänder, welche im Normallfall keiner weiteren Erläuterungen benötigen. Einzig das an unseren Ex-Coach und jetzigen Leipzig-Trainer gerichtete Spruchband vor Beginn des Spiels sorgte bei manch Unwissenden für Verwirrung, der Effekt wurde jedoch nicht verfehlt. Und diejenigen, die sofort wieder den Zeigefinger auf uns richteten, sollten sich mal fragen, ob Hasenhüttel aufgrund solcher Aussagen wirklich auf dem Weg in den psychischen Ruin steht oder es nach einem solchen Spiel nicht doch bedeutungsvollere Themen gibt.

Was nämlich auf dem Spielfeld geschah, hatte in dieser Form sicher niemand erwartet und wohl auch für einige zerstörte Tippscheine gesorgt. Nach einer kämpferisch und taktisch beeindruckenden Leistung konnte man die Leipziger am Ende des Tages tatsächlich wieder einmal mit 0 Punkten nach Hause schicken. Den Klassenhalt kann man nur über diesen Weg schaffen. Mit Kampfgeist, einer wie am Samstag erlebten, grandiosen taktischen Einstellung durch den bisher in jeder Hinsicht überzeugenden Walpurgis und dem gewissen Quäntchen Glück ist in dieser Saison noch alles drin.

Dementsprechend entwickelte sich auch die Stimmung auf den Rängen zu einer der besten und intensivsten der letzten Jahre. Ich denke jeder, der selbst im Stadion war, weiß wovon ich spreche. Es wird ein ums andere Mal deutlich, welchen Einfluss der 12.Mann auf das Spielgeschehen haben kann. Beispielhaft kann hier der komplett verunsicherte und erfolglose Timo Werner angeführt werden. Umso ernüchternder ist dabei die Gewissheit, nächsten Sonntagabend wieder im äußerst spärlich gefüllten Gästeblock in Leverkusen stehen und sich die Stimme heiser schreien zu dürfen, wovon man im Rest des Stadions jedoch (von sich selbst abgesehen) nicht viel mitbekommen wird. Einfach schade und auch unverständlich, wenn man wie am Samstag sieht, welches Potential selbst in unserer kleinen Fanszene schlummern würde.

Es bleibt ein Spiel, das die Faszination Fußball mit all seinen vielseitigen Facetten bestens beschreibt und niemand so schnell vergessen wird. Das sind die Momente, wofür wir leben. Forza FCI

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