„Nein zu RB“

Warum sind wir eigentlich gegen Red Bull ?

Sicherlich wird sich der ein oder andere gefragt haben, warum speziell RB Leipzig in letzter Zeit einen so großen Aufschrei im deutschen Fußball ausgelöst hat und auslöst. Im nun folgenden Abschnitt wollen wir einigen unserer Gedanken einmal freien Lauf zu diesem Thema lassen, denn wer als mündiger Fußballfan in diesen Tagen das Geschehen auf dem Rasen und auf den Rängen jedes Wochenende verfolgt, fühlt sich fast zwangsweise mit der Thematik „Red Bull“ konfrontiert. Aber warum genau bewegt dieses Thema aktuell so viele Menschen, sodass man zeitweise das Gefühl bekommt, dass das Geschehen auf dem Rasen – zumindest mancherorts – fast zur Nebensache wird? Eine Bestandsaufnahme:

Der deutsche Fußball hat sich seit seinen Anfängen stark verändert. Vom Amateursport hat er sich in den letzten 50 Jahren zu einem massenkompatiblen Unterhaltungsmodell und Milliardengeschäft entwickelt. Profivereine benötigen Budgets in Millionenhöhe um sich in den oberen Ligen halten zu können. Möglich macht das die Wirtschaft, die den Volkssport als willkommene Werbebühne nutzt. Diese Verknüpfung von Wirtschaft und Sport geht so weit, dass Namensrechte und ganze Stadien verkauft werden, ebenso wie Anteile an ausgegliederten Spielbetrieb-GmbHs oder teilweise sogar ganze Vereine. Kaum ein Verein der oberen Ligen ist nicht in gewisser Weise abhängig von einem Unternehmen oder einer Einzelperson, und auch unser Fußballclub stellt da natürlich keine Ausnahme dar. Mit dem Ankauf von 19,94 % der Anteile an der Lizenzspielerabteilung und des Sportparks im letzten Jahr hat der lokale Autobauer Audi inzwischen einen beunruhigend großen Einfluss auf unseren Verein. Hinzu kommt, dass im Vorstand mittlerweile jedes zweite Mitglied direkt oder indirekt zu der Firma gerechnet werden kann. Natürlich haben wir durch die 50+1 Regel, die Außenstehenden die Übernahme der Mehrzahl der Anteile an ausgegliederten Spielbetrieb-GmbHs verbietet, im Vergleich zu anderen europäischen Ligen ein (meist) wirksames Instrument, um den Einfluss von Unternehmen auf die Vereine nicht zu groß werden zu lassen und den Vereinen so ihre Eigenständigkeit und Unabhängigkeit gewährleistet. Es war ein wichtiger Schritt für unseren Verein, diese Mehrheitsregel auch in die Vereinssatzung aufzunehmen. Dazu wurde auf der letzten Jahrehauptversammlung eine Satzungsänderung verabschiedet, die für den Verkauf weiterer Anteile des Vereins an der FC Ingolstadt 04 Fußball GmbH eine Zweidrittelmehrheit der Mitgliederversammlung voraussetzt. Trotzdem deckt diese Regel nicht die ganze Bandbreite an Einflussmöglichkeiten von Unternehmen auf die Vereine ab, und so ist es unsere Aufgabe als Anhänger und Mitglieder der Vereine, unseren Verein inklusive ausgegliederter Spielbetrieb-GmbH in Händen der Fans, des Vereins und damit der Gemeinschaft zu halten und eine Einmischung von Unternehmen und Einzelpersonen in das Vereinsgeschäft zu verhindern. Fußball ohne Geld ist leider kaum mehr möglich, trotzdem muss es für die Wirtschaft im Sport weiterhin heißen: Geld ja, Mitspracherecht nur bedingt! Für uns muss ein Verein selbstständig in seinem Handeln sein und somit mit seinen Mitgliedern alleiniger Entscheidungsträger sein. So gibt es in einem Fußballverein wie dem unseren die Möglichkeit, Mitglied zu werden, den Vorstand zu bestimmen, Satzungsänderungen zu bewirken usw., sprich: Einfluss auf das Vereinsgeschehen zu nehmen und dieses zumindest mitzubestimmen.

Zu dieser Bundesligasaison wird nun einer der 18 Startplätze von einem Novum im deutschen Fußball besetzt, mit dem wir uns leider auch in unserer vorerst letzten Zweitligasaison 2014/15 auseinandersetzen mussten: „RasenBallsport Leipzig“. Der seltsame Name rührt daher, dass bei der Gründung der eigentliche Wunschname verboten wurde, der deutlicher macht, was dieser „Verein“ eigentlich ist: Red Bull Leipzig. Angefangen 2005 mit Red Bull Salzburg hat der österreichische Brausekonzern ein internationales Fußballunternehmen mit Filialen in New York, Brasilien, Ghana und seit 2009 eben in Leipzig aufgebaut (zwischen denen Spieler auch munter transferiert werden, insb. die vielversprechenden Spieler zum jeweiligen Flaggschiff-Team, derzeit dem Leipziger). Dieses Unternehmen will keinen Verein wie wir ihn in Deutschland kennen, keine Geschichte, kein Mitspracherecht, keinen Ortsbezug. Dieses Unternehmen will ein Fußballprodukt als reines Marketinginstrument, ein Fußballprodukt als reinen Werbeträger, ähnlich den Sportevents, dem Extremsport und den Rennställen, die der österreichische Konzern schon betreibt. Die 50+1-Regel wurde dabei auf eine besonders frechen Weise umgangen: Der Konzern ließ einfach 17 seiner Mitarbeiter einen „Verein“ gründen, in dem sonst niemand Mitglied werden kann. So kann das Unternehmen auch ohne lästige Wartezeiten wie in Hoffenheim, Wolfsburg oder Leverkusen die Mehrheit  übernehmen, einfach indem schon der „Verein“ eine Unternehmensabteilung ist.

Trotz all der unangenehmen Situationen, die bereits durch die Symbiose von Wirtschaft und Fußball entstehen, ist für uns klar, dass durch dieses Marketingprojekt in Leipzig die Grenze des moralisch Vertretbaren überschritten wird. Dieses Konstrukt widerspricht allem, was für uns einen Fußballverein ausmacht, nämlich Eigenständigkeit, Mitspracherecht der Anhänger und finanzielle Fairness. Deshalb muss die Antwort aller Fußballfans ganz klar lauten: Nein zu Red Bull!

 

 

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