FC Ingolstadt – SSV Ulm (4:1)

10. Spieltag | 04.10.2025

Zuschauer: 4.605

Servus, Schanzer!

Nach gut 2.000 Auswärtskilometern in der englischen Woche mit den Spielen in Duisburg und Verl und einem späten Punktgewinn zum Abschluss gab es endlich mal wieder ein Heimspiel. Und Spoiler: Es gab auch endlich den ersten Heimsieg der Saison. Bis hierhin könnte man meinen, dass ich beim Schreiben dieses Berichts richtig gute Laune habe. Wenn ich euch aber sage, dass wir als FCI an diesem Spieltag einen Tiefpunkt in meiner über zehnjährigen Zeit als Ultra dieses Vereins erreicht haben, werden sich einige von euch sicher die Augen reiben.

Um den Geschehnissen auf und neben dem Platz die nötige Aufmerksamkeit zu geben und euch mein sonstiges Gelaber über Bier, Bratwurst und Co. heute zu ersparen, hier einmal kurz die Ausgangslage: Die bisherige Spielzeit startete mit einem Sieg aus den ersten neun Spielen, darunter ein unnötiger später Ausgleich im Donau-Duell gegen Regensburg und eine peinliche Niederlage gegen die ansonsten punktlosen Schweinfurter. Zusätzlich rumpelte es zwischenzeitlich ordentlich zwischen Szene und Team hinsichtlich eines die Schanzer-Werte betreffenden Themas, das wir nicht weiter in die Öffentlichkeit tragen müssen. Dass es uns hierbei nicht nur ums Sportliche geht, sondern dass für uns ganz andere Baustellen – vor allem die Werte und Taten der Profimannschaft unseres FCI – von Bedeutung sind, hatten wir nach der Auswärtsniederlage in Duisburg mit dem Graffiti „Lebt endlich das Manifest!” und dem Auswärtsbericht zum genannten Spiel auf unserer Website verdeutlicht. Dass diese Einstellung und Sicht auf die Dinge sich nicht mit jedem deckt, der in irgendwelchen Kommentarspalten unterwegs ist, ist verständlich.

Doch was ist eigentlich passiert? Der Spieltag begann so gut, als unsere Schanzer schwungvoll starteten und bereits in den ersten zehn Minuten mehrere gute Chancen hatten. Sie scheiterten jedoch noch an Ex-Schanzer Ortag und dem Pfosten. Auch wenn die Gäste danach zu Chancen kamen, war die Führung nach 22 Minuten aufgrund der besten Anfangsphase der Saison durchaus verdient. Leider nahm hier auch die negative Geschichte des Nachmittags ihren Anfang, als unsere Nummer 22 es für die richtige Entscheidung hielt, sein Tor mit den Gesten „Mund halten“ und „Redet nicht so viel“ zu „feiern“. Jetzt werden sicherlich viele von euch sagen, dass dies die Emotionen eines Spielers sind, der in den letzten Wochen, gerade aber beim Auswärtsspiel in Verl und aufgrund seiner ungenutzten Großchance, viel Kritik einstecken musste. Das kann ich zum Teil noch verstehen. Die Tatsache des sehr provokanten Jubels über den ganzen Platz warf aber zumindest die Frage auf, ob wir damit explizit gemeint waren und warum ein solcher Gesprächsbedarf nicht wie gewohnt abseits der Kameras geklärt wird. Dazu aber später mehr. Auf dem Rasen konnten die Spatzen in der 32. Minute durch einen schmeichelhaften Handelfmeter den 1:1-Halbzeitstand erzielen.

Auch in der zweiten Halbzeit kamen die Schwarz-Roten mit Schwung aus der Kabine. Erneut war es Simon Lorenz, der wie schon beim späten Ausgleich in Verl eine Ecke von Carlsen nutzen und zum 2:1 einnicken konnte. Natürlich wurde auch dieser Treffer direkt vor der Südtribüne erzielt. Wieder wurde jedoch der Weg zur Eckfahne gewählt, weg von den Fans, um zu feiern. Ich glaube langsam nicht mehr an Zufälle. Bis zur 87. Minute passierte nicht viel, was nach drei intensiven Partien innerhalb von sieben Tagen aber auch verständlich ist. Der erste Heimsieg seit Ende März war zum Greifen nahe, und die Spieler auf dem Rasen hatten alles im Griff. Ehrlich gesagt, hätte es meiner Laune besser getan, wenn wir einfach mit dem 2:1-Sieg in die Länderspielpause gegangen wären. Im Nachgang hätte man das Gespräch mit Costly suchen und ihn fragen können, ob sein Torjubel beim 1:0 eine gezielte Provokation in Richtung Südtribüne war. Die beschämende Antwort auf diese Frage gab es dann gleich doppelt in den folgenden vier Minuten. Erst erzielte Costly selbst das 3:1, vier Minuten später legte er unserem Eigengewächs Sekulović mit einer starken Vorlage das 4:1 auf – zweifellos eine überragende sportliche Leistung von ihm an diesem Tag. Gleichzeitig beantwortete er die in der ersten Hälfte noch halbwegs offene Frage, wen seine Gesten betrafen, eindeutig selbst mit zwei weiteren Gesten direkt vor unserer Kurve bzw. in Richtung von Personen unserer Gruppe im Innenraum. Das macht mich sprachlos. Das ist der persönliche Tiefpunkt eines Spielers in meiner Zeit als Fan des FC Ingolstadt. Während man beim ersten Tor vielleicht noch von den auch von ihm im Nachgang im TV angesprochenen Emotionen reden kann, ist es beim zweiten und dritten Mal direkt vor der Südtribüne nur noch schockierend. Der Spieler hat sich von den im Manifest geforderten Werten scheinbar so weit entfernt wie unser FCI aktuell von der zweiten Liga. Ich könnte euch 223 Synonyme dafür nennen, wie sehr mich Costly an diesem Tag enttäuscht hat. Auch seine drei Scorerpunkte am Spieltag können diese Enttäuschung nicht wettmachen.

Dass es nach dem Spiel hinter dem Tor zwischen den Führungspersonen der Gruppe und dem Team knallt, ist die logische Konsequenz aus allem, was ich euch in den letzten Wochen berichtet habe. Natürlich würde ich am liebsten jedes Spiel gewinnen. Natürlich stehen dann auch mal Leute von uns im Block und schreien den Spielern auf dem Feld ein „Wacht endlich auf!” hinterher. Ob die Reaktionen der einzelnen Spieler darauf akzeptabel sind, muss jeder für sich selbst entscheiden. Für uns waren sie das nicht, und genau das haben wir den Spielern auch erklärt. Dass die drei Gesten in Richtung Süd als „aus den Emotionen heraus“ verkauft wurden, lasse ich einfach mal so stehen. Beim ersten Mal vielleicht, beim zweiten Mal noch naiv, aber beim dritten Mal definitiv und mit voller Absicht als Provokation gegenüber den Leuten, die wenige Tage zuvor unter der Woche Zeit und Geld geopfert haben, um diese Truppe zu unterstützen. Dass zumindest der Großteil der an der Bande stehenden Spieler die Thematik überrissen hat, lässt mich die Aktion etwas positiver sehen. Auch dass Simon Lorenz sich proaktiv noch einmal zu uns begab, sich im Namen der Mannschaft entschuldigte und ein Gespräch auf Augenhöhe führte, in dem endlich alle Themen auf den Tisch kamen, rechne ich ihm hoch an. Eine persönliche Entschuldigung von Marcel Costly steht noch aus, aber die Erklärung und Entschuldigung im Interview bei Magenta war zumindest ein erster Schritt in die richtige Richtung. Selbstverständlich wünschen wir seiner erkrankten Mutter nur das Beste.

Was nach diesem Samstag bleibt, ist endlich wieder ein Heimsieg sowie ein spielerisch und vor allem kämpferisch starker Auftritt unserer Jungs im Sportpark. Darauf lässt sich nach der Länderspielpause aufbauen. Hoffentlich hat bis dahin auch der letzte Spieler kapiert, was wir von unseren Profis erwarten. Wir werden immer hier sein und alles für diesen Fußballclub geben. Gleichzeitig kann es aber nicht unser Ziel sein, solche Dinge in der Öffentlichkeit zu diskutieren. In den letzten Jahren unter Kapitänen wie Tobi Schröck, Paco und Kutsche konnten wir solche Dinge besser im privaten Kreis klären. Das muss auch unser Ziel sein: so schnell wie möglich wieder an diesen Punkt zu gelangen. Solltet ihr als Leser hierzu Fragen haben oder mehr Hintergründe zu den letzten Wochen benötigen, sind wir wie immer gerne bereit, sie euch im Stadion rund um das Podest, am Fancontainer oder direkt bei den bekannten Gesichtern zu beantworten.

Für immer Schanzer!